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Der Fall des Hauses Ascher
Ein elektronisches Lesekonzert
nach der Novelle von Edgar Allan Poe
Hörbeispiel:
Die vorläufige Bestattung
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>> In dieser zu seinen bedeutendsten Werken zählenden Schreckensgeschichte lässt Edgar Allan Poe (1809 - 1849) einen Erzähler berichten, was er im Haus seines Kindheitsfreundes Roderick, des letzten männlichen Nachkommen der Familie Ascher, erlebt hat. Er ist dem Ruf seines erkrankten Freundes gefolgt, ohne zu wissen, woran dieser leidet.
Bei seiner Ankunft erfährt er, dass Roderick, ein in sich Versponnener, den okkulten Wissenschaften und eigentümlichen literarischen und musikalischen Improvisationen hingegebener Mensch, von geheimnisvoll-schrecklichen Kräften, die den Mauern des düsteren, verfallenden Hauses zu entströmen scheinen, an die Grenzen des Wahnsinns getrieben wird.
Der Kranke erzählt dem Freund auch von seiner Schwester Madeleine, der einzigen Gefährtin seiner Einsamkeit, die an einem mysteriösen Leiden dahinsiecht. Kurz danach teilt er dem Gast, der Madeline nur einmal von weitem gesehen hat, den Tod seiner Schwester mit. Die beiden Männer legen den erstarrten Körper Madelines in einen Sarg und tragen diesen in die Familiengruft.

Unter den auf den ersten Blick grotesk wirkenden Anhäufungen von Gruselrequisiten verbirgt sich ein poetischer und psychologischer Symbolgehalt, den zu interpretieren die Literaturwissenschaft bis heute nicht müde geworden ist.
Wie in mehreren anderen Erzählungen Poes dominiert auch in dieser das Thema von den ruhelosen Toten, die die Lebenden verfolgen, aber hier erreicht es seinen schrecklichen Höhepunkt in der Verbindung mit den Motiven des Inzests, des Vampirismus und der Todessehnsucht der im Leben Zurückgebliebenen.
Poe beschwört Bilder und Ereignisse herauf, die in unerforschte Bewusstseinszonen vorstoßen und geheimen Furchtkomplexen entsprechen, wie jeder Mensch sie kennt, und entwickelt sie mit so unerbittlicher Folgerichtigkeit, dass die Vorahnung des Lesers noch zur Erhöhung der Spannung beiträgt.<<

DIE KULTURTECHNIKER haben Poes Novelle aus dem Jahre 1839 in Klänge zwischen Kammermusik und Jazz eingebettet.
Die subtile Verwendung zeitgemäßer Musikelektronik unterstreicht einerseits die vorgezeichneten Gruselstimmungen, sorgt aber andererseits auch für ironisch-humorvolle Momente.

Idee, Textmontage, Licht: Martin M. Hahnemann
Komposition: Ralf Werner
Szenische Einrichtung: Ralf Werner & Martin M. Hahnemann
Premiere: 16.12.1995 // Stadttheater Hildesheim [Nachtprogramm im Foyer]
Dauer: 95 min, keine Pause

Pressespiegel
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