Archaic Pop Stuff & Ralf Thenior
Luxemburer Tageblatt 13.03.2002
"Vom Ruhrgebiet in die (halbe) Welt"
Lyrisch-musikalische Reise
Norry Goedert

Der Dortmunder Schriftsteller Ralf Thenior und das Kölner New-Jazz-Trio ARCHAIC POP STUFF woben vor kurzem im Merscher Servais-Haus, dem Sitz des CNL (Centre National de Literature), ein konzertantes Live-Hörbild aus Reisegedichten und Ethnoklängen.
Die Kompositionen des ?archaischen? Trios schweben irgendwo zwischen Ambient Sounds, Kammermusik und klassischen indischen Tabla-Rhythmen.
Man glaubt eine wohl dosierte Mischung aus Jan Garbarek, Fritz Brause, Alla Rakha - dem von Ravi Shankar bevorzugten Tabla-Spieler - und Klaus Doldinger's ?Passport? zu vernehmen.
Das harmonische Zusammenspiel von Rahul Sengupta, der die Tabla in Kalkutta mit einem indischen Meister zu beherrschen gelernt hat; von Peter Bachmann, Anglistik-Magister an der Uni Freiburg und zudem ein begnadeter Saxophon- und Querflötenspieler; von Ralf Werner, Ideengeber der Gnuppe, Cellist und zuständig für .die Abmischung von Samplern und Live Elektronik; und nicht zuletzt von Ralf Thenior, der seine Reisepoemata immer wieder mit der esotherisch angehauchten Klangwelt von A.P.S. vermischt; schafft eine eigenartige Atmosphäre, vergleichbar mit einem aus literarischen und jazzigen Klangpostkarten zusammengesetzten Hörfilm.
Aus aller Herren Länder.
Die Reisegedichte aus Werken der letzten 20 Jahre, die Thenior vortrug, geben Impressionen aus Europa (Wattenscheid; England, Bulgarien, Flandern, Grönland), Amerika (New York) und Asien (Laos, präziser: eine Flussfahrt auf dem Mekong) wieder. Einige Texte kann man in seinem im Tende-Verlag erschienenem Buch ?Drache mit Zahnweh im Wind? nachlesen.
Ralf Thenior über die Dichtung:
?Die Wirklichkeit bzw. den gewählten Gegenstand in seinem Wesen erkennen und von ihm dergestalt abstrahieren, dass er in sprachlich-ästhetischer Form neu erscheint? Tatsächlich gelingt es ihm, mit knappen, prägnanten Sätzen, die Stimmung des jeweiligen Landes dermaßen genau zu umreißen, dass man sich, schließt man die Augen, augenblicklich im Zentrum des Geschehens befindet. Die Musik des Kölner Ensembles tut ein Übriges, verleitet zum Sich-treiben-lassen, und schenkt einem wirkliche Synesthäsien: Um ein Haar, und man wäre im Mekong oder in der aufgewühlten, hektischen New Yorker Menge verschwunden.
Thenior und Werner verbindet seit 1983 eine ununterbrochene, zurecht mehrfach preisgekrönte Zusammenarbeit, die sie vor kurzem auf die Leipziger Buchmesse und auf eine Bulgarien-Tournee führte. Das Programm ?Vom Ruhrgebiet in die (halbe) Welt?, das sie im CNL mit dem Anfang 2000 gegründeten, ARCHAIC POP STUFF vortrugen, ist auch auf CD erhältlich.
Wenn die Literatur mit der Musik ... Interessant und bereichernd zugleich, dieses Projekt. Kommen da nicht Erinnerungen an einen gewissen Jean Portante und Luma Luma auf?
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