Gut gesamplet ist halb gewonnen
Von Michaela Adick
Landkarten sind was Tückisches, zumindest wenn man der Ruhrgebietsikone Ralf Thenior Glauben schenken darf. Da verrutschen - Potzblitz - schon mal die Grenzen, da spielen die Maßstäbe verrückt, da passiert es, dass der Mekong in einem Vorort Hamburgs entspringt und sich in einer uneigentlichen Reise über Sylt, Grönland, Bulgarien nach Laos schlängelt.
Es ist eine phantastische Reise, eine Reise im Kopf, die der Dortmunder Lyriker Ralf Thenior, der in der Veranstaltung der Stadtbibliothek im Jazzclub Cave im K 3 Heilbronn vom New-Jazz-Trio Archaic Pop Stuff begleitet wird, dem Publikum da vorstellt. Eine virtuelle Reise mit Reisegedichten im Stil der Beatniks voller abgehackter, lakonischer Gedankenfetzen, die lediglich durch ein dünnes Band der Assoziation verbunden sind.
Doch diese ungewöhnlichen ?24 Stunden auf dem Mekong? - da stand wohl Konfuzius? Gedanke vom Weg als Ziel Pate - ist nur eine Seite der Medaille. Denn erst die Montage von Text und Musik (Idee: Ralf Werner an Cello, Sampler und Electronics), eben dieser unter die Haut gehende Sound des Trios ARCHAIC POP STUFF, der klassische indische Tabla Rhythmen (Raul Sengupta) mit Ambient Sounds und 0-Tönen verbindet, macht aus dieser Rezitation das elektronisch verfremdete Live-Hörspiel.
Doch dieser Gegensatz von archaischen Momentaufnahmen, flirrender Postmoderne und spaceigen Klanginstallationen, bleibt nicht lange ein Gegensatz: Zu viele Anknüpfungspunkte, zu viele Querverweise ermöglichen dem Trio, das durch den Flötisten und Saxofonisten Peter Bachmann ergänzt wird, und dem Rezitator ein Miteinander, ein Verschmelzen.
Nach 90 Minuten ist die Welt zusammengerückt: Ohne dass ein One-World-Brei herausgekommen wäre, ohne dass die Reisebilder an Konturen verloren hätten. Doch die Wahrnehmung der Zuhörer, ihre imaginäre Landkarte hat sich ein für alle Mal verschoben.
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