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Archaic Pop Stuff & Ralf Thenior
Mick Steffens (Mitglied der Dortmunder Schriftsteller-Vereinigung DO-PEN zur Leipziger Buchmesse 2003)
Undisziplinierte Schreibe über Leipziger Allerlei
22. und 23. 03. 2003

Leipzig, kurz nach dem Besuch auf der Buchmesse. Momentaufnahme: Reudnitzer Dosenbier im Alanya- Grill. Wässrig im
Abgang, herber Körper, schmeckt wie Biersprudel, aber hilft, wenn man nach der Nachtschicht auf dem Rücksitz eines VW
Golf schlafen musste.
Traum: Harry Rowohlt liest, irgendwo flippt Günther Grass rum. In der Glashalle wird?s allmählich heiß.

(.......)

Die Meditation der Bewegung im Nato, dem Szeneladen der Off-Szene. Nach einer Viertelstunde Anstehen das erste
vernünftige Bier: Radeberger, gezapft. Um Monsieur le Tonn, Frau G. und meiner Winzigkeit sind die Studenten im
selbstverständlichen Studenten-Look. Es ist Wochenende, und ab und ab und ab dafür. Noch klingt seltsamerweise das Licht
aus der Glashalle der Messe in mir. Dissonante Töne. Ich denke: Gerade im Nicht-Verstehen ist die Poesie Zuhause, was
immer das bedeuten soll. Sich-wundern, wahrscheinlich.


Und da ist es schon, das Wunder: Ralf Thenior and the archaic pop stuff. Na also. Wir haben unser Bier, und die Klangpostkarten kommen an. Frank und frei. 24 Stunden auf dem Mekong. Gedichte umwoben von Klangcollagen und Rhythmen als sich soeben vollziehende Retrospektive. Gedichte der Gegenwart, die war und jetzt wieder ist. Dramaturgie durch Musik, physisches Erleben von Erlebtem. Hohes assoziatives Potenzial. Ich sehe eine alte Frau am Seti-River sitzen, und sie kann nicht verstehen, warum ich meine Wäsche im Fluss selber wasche, da ist Ralf längst über Hamburg hinaus und spricht gerade Amerika. Mir gerät so einiges durcheinander. Die Musik (Tabla, Alt- und Sopransaxophon, Querflöte, Violoncello, Sampler) erschafft Räume über die Texte hinaus, und manchmal erklingen die Geräusche der Orte, die man zuhörend durchschreitet. Ethno Jazz Beats. Atmosphärisch so dicht, dass man sich ein Stück aus der Luft schneiden und in die Tasche stecken kann. Für später. Wenn man friert.

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